Zum neuen Jahresthema 2011/2012

Vorwärts zu den Quellen

Die Tagung 2011 war geprägt von einer Stimmung des Aufbruchs. Lichtpunkte sind gesät für den Einzelnen, für die Höfe, für die Bewegung und es ist ein Schwung da, sich aktiv einbringen zu wollen. Die Zivilisationsgestaltung wird immer mehr von den betroffenen mündigen Menschen selber an die Hand genommen – und wir gehören in diesen Strom, denn die Umgebungsgestaltung aus existenziell gesetzten „Individuations-Punkten“ ist ja unser Kerngeschäft. Biodynamische Höfe sind Quellpunkte für die eigenverantwortete Gestaltung der natürlichen und sozialen Umgebung. Auf den Punkt geführt ist die Quelle der einzelne Mensch und die Menschengemeinschaft, die an diesem Ort, hier und jetzt im Sinne des biodynamischen Impulses arbeitet.

Was ist wesentlich an der biodynamischen Landwirtschaft?

Was ist der Kern meines Engagements? Was ist für jeden von uns am Biodynamischen das Wesentliche? Ist es die Möglichkeit ein Stück Erde zu heilen oder die Möglichkeit gesunde Lebensmittel für die Konsumenten zu erzeugen? Ist es die Intimität, die Landwirtschaft ganz aus persönlichen Motiven und Intuitionen zu betreiben? Oder aber die Faszination an der Systematik mit der „Geistiges“ in die Natur hineingearbeitet werden kann, z.B. durch eine akkurate Präparatearbeit? Ist es eine tiefe Liebe zur Erde und zur Natur, die uns tragen und ernähren? Oder ist die eigentlich treibende Kraft ein sozial-politisches Engagement: Eine ehrliche Urproduktion als Grundlage einer gesunden Gesellschaft? Ist die Erde oder der Mensch im Mittelpunkt? Was meinen wir eigentlich mit „kosmischen Kräften“? Sind die Kühe und die Hörner ein Symbol oder sind sie Wirklichkeit auf unseren Höfen? Ist die „Hofindividualität“ eine Idee für die ferne Zukunft oder ist sie jetzt schon eine geistige Realität? Ist das Zitat aus dem Landwirtschaftlichen Kurs „der Mensch wird zur Grundlage gemacht“, bildlich zu verstehen oder ist es eine Handlungsanleitung?

Aufbruch nach innen

Wir meinen, dass dieser Aufbruch nach innen, zu den inhaltlichen Quellen unserer Arbeit ein Schritt ist, den wir jetzt noch ernsthafter ergreifen und tun sollen. Wir stellen uns vor, dass an vielen Orten in der Welt die biodynamischen Gruppen sich treffen und mit den an der Landwirtschaftlichen Tagung 2011 kennengelernten dialogischen Formen wie Dialoginterview, Worldcafé, Case-Clinic, Dialogspaziergang an der Quelle der biodynamischen Landwirtschaft arbeiten. Jeder ist gefragt nach der Verbindung seines individuellen Lebensimpulses mit dem Impuls für eine Zukunftsland-wirtschaft, wie er im Landwirtschaftlichen Kurs von Rudolf Steiner gesetzt worden ist, zu suchen. Das aktive Zuhören im Gespräch oder die stille Stunde ganz alleine gibt den Raum, wo das Wesentliche sich aus dem Alltäglichen herausschälen kann. An der Landwirtschaftlichen Tagung 2012 können wir das Gehobene dann verdichten, die Vielfalt ordnen und in ein Gesamtbild bringen. Dies wollen wir mit erweiterten dialogischen Formen erreichen, diesmal aber stärker auf den Inhalt fokussiert und deutlich mit mehr Individualbeiträgen in Form von Impulsreferaten und Erfahrungsberichten unterstützt. Das Ziel ist, gemeinsam zu einer aktuellen Formulierung des Wesentlichen, der Prinzipien des biologisch dynamischen Landbaus zu kommen.

Die kosmopolitische Dimensionen der biodynamischen Landwirtschaft

Damit ergibt sich ein Ausblick auf eine dreijährige Arbeitsperiode: Nach der Tagung 2011 und durch die Besinnung auf das Essenzielle bis und mit der kommenden Tagung 2012, können wir für das nachfolgende Jahr und die Tagung 2013 ins Auge fassen, ganz nach aussen zu gehen und aktiv den Kontakt zu den Menschen, Organisationen und Bewegungen, mit denen wir verwandt sind, zu suchen. Ein aktives Einbringen unseres spezifischen Impulses durch persönliche Kontakte, regionale Partnerschaften und globale Netzwerke steht dann als eine Herausforderung an. Diese Öffnung in die globale Verantwortung war ja auch schon angesprochen und präsent an der Tagung 2011. Die biodynamischen Prinzipien haben auch eine kosmopolitische Dimension und wir sind zuversichtlich, dass es uns gelingt, in den nächsten zwei Jahren so zu wachsen und zu reifen, dass wir dies in fruchtbarer Weise in die Aufbruchszeit am Anfang des 21. Jahrhunderts vertieft einbringen können.

Zum praktischen Umgang mit dem Jahresthema

Folgende Vorschläge sollen dazu dienen das Jahresthema dezentral und vernetzt gemeinsam in der Bewegung zu bearbeiten:

  • Diesen Text mit der Formulierung und Umschreibung des Jahresthemas weitergeben, übersetzen und verteilen

  • Die Aufbruchstimmung der Tagung 2011 jetzt noch nutzen und mit diesem Schwung die Frage nach dem Wesentlichen bearbeiten. Für die aktuelle Formulierung des Wesentlichen sich nicht nur aus der Vergangenheit inspirieren lassen, sondern vor allem aus der Zukunft. Was kommt uns aus der Zukunft entgegen?

  • Die weitere Bearbeitung der Lichtpunktprojekte aus der Tagung 2011 nach Möglichkeit mit diesem Jahresthema verbinden.

  • Bei möglichst vielen Gelegenheiten die Frage nach dem Wesentlichen stellen, sowohl individuell, wie auch bei Gesprächen und an Tagungen. Wir hoffen dazu im Sommerrundbrief weitere Werkzeuge beschreiben zu können, wie man in dialogischer Form am Thema arbeiten kann.

  • Das Thema hat neben vielem anderen auch eine systematische Seite: Kann man eine möglichst knappe aber vollständige Aufzählung der biodynamischen Prinzipien machen? Können diese Prinzipien als eine Grundlage dienen für die Demeter Richtlinien?

  • Zum Jahresthema gehört auch der nächste Michaelbrief vom 8. Februar „Schlaf und Wachen im Lichte der vorangegangenen Betrachtungen“, mit den Leitsätzen Nr. 156 bis 158.


Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum, Ende März 2011